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Diplomarbeit Detailinformationen PHOENIX - WissensTransfer
 
Politischer Einfluss römischer Frauen in der späten römischen Republik

Fachbereich: Altertum/Geschichte

Universität Leipzig
Note: 2,0
Preis Komplettarbeit: 79,00 € (inkl. MwSt.)
Preis Literaturverzeichnis: 19,90 € (inkl. MwSt.)
Abgabedatum: 10.08.1999

Zusammenfassung: Da den Frauen juristisch keine Rechte in Bezug auf die Teilnahme am öffentlichen politischen Leben zustanden, uns aber die Quellen reichlich Hinweise auf derartige Aktionen bzw. Ambitionen liefern, sollte die Arbeit untersuchen, welche anderen Möglichkeiten der politischen Einflussnahme den Frauen zur Verfügung standen.

Den Frauen war demzufolge der politische Raum verschlossen, d.h. die Ämter und Institutionen, in welchem Politik in Form von Abstimmungen und Gesetzen "gemacht" wurde. Doch gerade die politische Struktur der römischen Republik, welche auf Konsens angelegt war, lässt den Schluss zu, dass Abstimmungen und Ergebnisse bereits vor ihrer Publikation im politischen Raum anderweitig besprochen und ausgehandelt wurden. Mit anderen Worten, der Konsens unter den Antragstellern von politischen Anträgen war bereits erzielt worden, und der institutionalistische Weg war im Grunde nunmehr reine Formsache. Dies würde bedeuten, dass wir diese Konsensbildung in einem vor dem politischen Raum gelagerten Gebiet annehmen müssen; dabei spricht man dann vom vorpolitischen Raum.

In Kapitel I definierte ich den vorpolitischen Raum als ein Feld, in welchem außerhalb von politischen Institutionen politische und gesellschaftliche Interaktionen stattfinden, ohne dass Entscheidungen mit unmittelbarer Gesetzeskraft getroffen werden konnten; politische, ökonomische, soziale und gesellschaftliche Interessen treffen hier aufeinander und werden miteinander verflochten. Da aber gerade im römischen Gemeinwesen über die gesellschaftlichen Kontakte sowohl einerseits innerhalb der Aristokratie wie auch andererseits zwischen Aristokratie und populus die politischen Beschlüsse gefasst wurden, so darf man meines Erachtens voraussetzen, dass selbige im sogenannten vorpolitischen Raum gefasst wurden bzw. Einigung, also Konsens über sie erzielt wurde und sie erst dann in den politischen Raum der Institutionen getragen wurden.

Es konnte demzufolge auch einen solchen vorpolitischen Raum innerhalb der Aristokratie gegeben haben, in welchem der Konsens erzielt wurde, ehe man diesen offiziell im Senat verkündete. Da die römische Nobilität aus einigen bedeutenden Familien bestand, welche die politischen Ämter ausübten und diese Familien durch vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen verbunden waren, so liegt der Gedanke nahe, dass innerhalb und zwischen den einzelnen Familien Konsens über politische Aktionen hergestellt wurde, noch ehe diese dann einem breiteren Publikum - zum Beispiel dem Senat und den comitien - vorgestellt wurden. Gesteht man der Familie in der inneraristokratischen politischen Kommunikation eine solche Bedeutung zu, müsste man sich auch die Frage stellen, welche Rolle dann explizit die Frau innerhalb der Familie bei der Konsensfindung gespielt haben könnte.

In Kapitel II der Arbeit wurde die privatrechtliche Stellung der Frau in der res publica näher betrachtet sowie die offiziellen Gewaltverhältnisse patria potestas, manus und tutela, denen die Frau unterworfen war. Aus ihnen ergeben sich durchaus für die Frau gewisse Rechte, jedoch auch Einschränkungen und rechtliche Unfähigkeiten, welche sich u.a. im Familien- und Erbrecht oder aber im Eigentums- und Besitzrecht zeigen. Im öffentlichen Recht dagegen gibt es für die römische Frau keinen Platz.

In Kapitel III wurden dann ausgewählte Frauen der späten römischen Republik quellenkritisch vorgestellt. Es handelte sich hierbei um
a) Servilia, die Mutter des Caesarmörders Brutus , b) Hortensia, Tochter des Redners Q.Hortensius, welche die von Appian überlieferte Rede gegen die Besteuerung von 1400 Frauen durch die Triumvirn hielt, c) Clodia, eine Tochter des Appius Claudius Pulcher und Schwester des Volkstribunen Clodius Pulcher d) Fulvia, die in Ehefrau des P.Clodius Pulcher († 52 v.Chr) und Marcus Antonius († 30 v.Chr.) und e) Octavia minor, die ältere Schwester des Octavianus aus der zweiten Ehe des C.Octavius mit Atia, der Nichte des C.Iulius Caesar.
Die verschiedenen Quellen zu Leben und Wirken der einzelnen Frauen wurden gesammelt, gegenübergestellt und ausgewertet unter der eingangs beschriebenen Fragestellung.

Dabei trat die Erkenntnis zu Tage, dass die hier dargestellten Frauen in ihrem Typus und Auftreten und in der Wirkung, die sie erzielten, alles andere als homogen waren. Wir erkennen unterschiedliche Typen. Servilia tritt uns nur punktuell politisch entgegen; ihr Engagement beschränkt sich auf die Unterstützung ihres Sohnes Brutus bzw. ihrer Schwiegersöhne; darin folgt sie ganz dem "klassischen" Modell einer römischen Frau. Das Besondere und Neue an ihren Aktionen ist der Radius derselben. Sie besaß offensichtlich bereits genügend Einfluss im inneraristokratischen vorpolitischen Raum, um sich einen kurzen Eingriff in den politischen Raum des Senates zu gestatten und eine politische Entscheidung zu modifizieren. Jedoch mit Erledigung dieser einen Angelegenheit verlässt Servilia den politischen Raum wieder und begibt sich zurück in den vorpolitischen Raum ihrer Familie und ihres Hauses. Mit dem Tod ihres Sohnes und ihres Schwiegersohnes erlöschen ihre politischen Ambitionen, und die - zumindest weitreichende - Konzeptionslosigkeit wird sichtbar.

Ähnlich gelagert ist der Fall bei Hortensia, die wir nur mit dem speziellen Fall der versuchten Besteuerung in Verbindung bringen können. Wohl ist sie die Wortführerin der Frauen, aber weniger ausgewählt wegen ihres politischen Einflusses als wegen ihrer rhetorischen Fähigkeiten. Die Tatsache, dass sie und die Frauen sichtbar mit Taten - der Gang auf das Forum und der Auftritt in der Versammlung der Männer - und mit Worten in die politische Sphäre der Männer, in das öffentliche politische Leben eindringen, zeigt das Ausmaß des Einflusses von Frauen allgemein und speziell ihr zunehmendes Eindringen in den politischen Raum. Hortensia hält zwar die Rede, aber involviert sind sozusagen sämtliche Frauen der Nobilität. Deutlich wird eine neue Qualität des Einflusses, und nicht zuletzt auch eine gestiegene Intensität; ob diese nur dem Fakt geschuldet ist, dass sich die Frauen hierbei zusammenschlossen, ist zumindest fraglich.

Betrachten wir uns Clodia und ihre Aktionen näher, so haben wir ein anderes Frauenbild vor Augen. Sie gehört zu den reichen und jungen Frauen der Nobilität, die jung verheiratet, jung verwitwet und somit in jungen Jahren wohlhabend waren und durch diese finanzielle Unabhängigkeit mannigfaltige Möglichkeiten der Einflussnahme besaßen. Jedoch können wir bei Clodia eher keine politischen Ambitionen erkennen und auch keine politischen Konzepte oder Strategien. Wenn sie sich bemüßigt fühlt, in irgendeiner Form politisch tätig zu werden, so beschränkt sich dies auf persönliche Motive und hat - wenn auch mit Konsequenzen im politischen Raum behaftet - keinen eigentlichen politischen Hintergrund. Man könnte folgern, dass dieser Typus von Frauen die Möglichkeiten, die der vorpolitische Raum gerade vermögenden Frauen bietet, nicht erkannte bzw. ignorierte

Einen komplett verschiedenen Typus Frau stellt Fulvia dar. Sie bewegt sich sozusagen seit frühen Jahren im vorpolitischen Raum, hart an der Grenze zum politischen Raum. Ihre Einflussnahmen bergen ein Konzept in sich, und ihre eigenen Ambitionen werden mit den Jahren immer deutlicher. Sie geht den ganzen Schritt und überschreitet die Grenze vorpolitischer - politischer Raum total und nicht nur für eine Aktion. Ihre Aktionen betreffen die Sphären von Macht, Politik und Militär, und sie begibt sich damit auf eine Stufe mit den Männern. Fulvia steht somit in meinen Augen am Ende der Entwicklung in der späten römischen Republik; und es ist bezeichnend, dass der politische Einfluss einer Frau gerade dann auf seinem Höhepunkt angelangt war, als die res publica in ihren letzten Zügen lag und sich eine neue Form des römischen Gemeinwesens abzeichnete.

Proportional zur wachsenden Instabilität der res publica vergrößern sich somit die Einflussmöglichkeiten der Frauen; proportional zur wachsenden Instabilität des politischen Raumes der Ämter und Institutionen der res publica erweitert sich der vorpolitische Raum und die Entscheidungsfindung wird mehr und mehr in diesen verlagert, was natürlich den Frauen mehr Möglichkeiten zur Einflussnahme bot. Die Ohnmacht der römischen Republik wäre somit Grundlage für den wachsenden Einfluss und die wachsende politische Macht der Frauen.

Die Betrachtung der Octavia ist in diesem Rahmen sehr diffizil. Meiner Meinung nach sehen wir mit ihr den Übergang von der Republik zum Prinzipat für die Frau, wobei die Frau im Prinzipat sicherlich im Rahmen einer anderen Arbeit betrachtet werden muss. Octavia als Angehörige des Princeps wird einbezogen in eine kaiserliche Familie. Faktisch wird sie durch die ihr übertragenen Ehrungen mit den Männern gleichgestellt, jedoch auch gleichzeitig durch eine Aufgabenzuteilung von den politischen Ereignissen ferngehalten. Ihre Aktivitäten in der Prinzipatszeit beschränken sich auf repräsentative und häusliche Pflichten, wobei der mehrfach angedeutete ruhige und bedächtige Charakter der Octavia sicherlich hierbei auch zu berücksichtigen ist.

Im Prinzipat war es den einzelnen nobiles nicht mehr möglich, herausragende Ämter und Imperien zu erhalten; es sei denn, sie waren Angehörige der kaiserlichen Familie. Somit war ihren Frauen auch ein wichtiges Bindeglied zum politischen Zentrum des Geschehen genommen. Der Politisierungsgrad der Frauen sinkt also im Prinzipat, während er in der späten Republik beträchtlich anstieg. Frauen wie Octavia, die der kaiserlichen Familie angehörten und somit eine herausragende Stellung im römischen Staat einnahmen, brauchten keinen Einfluss mehr zu nehmen, um eine solche Stellung zu erreichen: sie wurden in diese jetzt zumeist hineingeboren. Sie waren nun in einer gewissen Art und Weise institutionalisiert; dies brachte zwar hohes Ansehen und eine vermeintlich wichtige Position mit sich, war aber auch Beschränkungen unterworfen.

Die Möglichkeiten der Frau in der späten Republik waren aufgrund der sich ändernden politischen Grundlagen des Gemeinwesens somit vielfältiger als die der Frauen im Prinzipat. Somit konnte man schlussfolgern, dass der vorpolitische Raum und seine Transparenz zum politischen Raum für die Frauen gerade in der späten römischen Republik erweitert war und verschiedenste Möglichkeiten der Einflussnahme bot. Jedoch mit der Konsolidierung des Prinzipates verschwand diese Transparenz zumindest für die Frauen, die keine Angehörigen des Kaiserhauses waren, ganz beträchtlich und beschränkte die Frau wieder auf ihre traditionelle Rolle.